Vor kurzem lag bei uns ein Bausparvertrag auf dem Tisch, der gerade ein Jahr alt war. Bausparsumme 100.000 Euro, monatliche Sparrate 500 Euro. Auf die Frage, wofür der Vertrag gedacht ist, kam die Antwort: für ein Haus, irgendwann. Wann, wo und für wie viel Geld, stand nicht fest.
Das ist kein Einzelfall. Wir sehen regelmäßig Bausparverträge, die abgeschlossen wurden, ohne dass jemand gefragt hat, was eigentlich finanziert werden soll. Genau dort liegt das Problem.
So funktioniert ein Bausparvertrag
Die Bausparsumme besteht aus zwei Teilen: dem Guthaben, das Sie selbst ansparen, und einem Darlehen, das Sie nach der Zuteilung bekommen können. Bei unserem Beispielvertrag muss mindestens die Hälfte angespart sein, dazu muss eine Bewertungszahl erreicht werden.
Bei 500 Euro im Monat ist das frühestens nach rund neuneinhalb Jahren der Fall. Bis dahin sind 57.500 Euro eingezahlt. Nach Abzug von 1.600 Euro Abschlussgebühr und Jahresentgelt liegt das Guthaben bei rund 55.600 Euro. Der Guthabenzins von 0,01 Prozent bringt über die ganze Zeit etwa 26 Euro.
Das Darlehen beträgt dann rund 44.400 Euro. Die Rate richtet sich nach der Bausparsumme: 350 Euro im Monat, gut elf Jahre lang.
Das Darlehen ist günstig, das Haus kostet mehr
Der Darlehenszins liegt in diesem Tarif bei 0,99 Prozent. Für sich betrachtet ist das günstig, und 350 Euro im Monat sind tragbar. Nur kostet ein Haus heute nicht 100.000 Euro.
Was in der Rechnung fehlt
Ein Paar möchte ein Haus für 550.000 Euro kaufen. Dazu kommen rund 30.000 Euro Nebenkosten für Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuch.
Der Bausparvertrag bringt rund 55.600 Euro Eigenkapital und 44.400 Euro Darlehen. Die Rate dafür: 350 Euro im Monat.
Es fehlen rund 430.000 Euro. Die finanziert eine Bank. Bei 10 Jahren Zinsbindung liegt die Rate je nach Tilgung bei rund 1.950 bis 2.200 Euro im Monat.
Zusammen sind das 2.300 bis 2.550 Euro im Monat. Elf Jahre lang laufen zwei Raten nebeneinander.
Beispielrechnung. Zinssätze aus einem Vergleichsrechner, Stand Oktober 2026, 1 bis 2 Prozent Tilgung.
Die Bank rechnet die Bausparrate bei der Prüfung des Haushaltsbudgets mit ein. Gerade in den ersten Jahren nach dem Kauf, wenn vielleicht ein Kind kommt und ein Einkommen wegfällt, ist sie voll mit dabei. Der Bausparvertrag löst die Finanzierung nicht. Er legt eine zweite Rate obendrauf.
Ohne Plan keine Rechnung
Ob ein Bausparvertrag sinnvoll ist, lässt sich erst beantworten, wenn drei Fragen geklärt sind.
Wann soll gekauft oder gebaut werden? Die Zuteilung kommt nach den Regeln der Bausparkasse, nicht nach Ihrem Kalender. Liegt das Haus früher, ist das Darlehen noch nicht da. Liegt es später, wartet das Guthaben jahrelang fast ohne Zinsen.
Was soll finanziert werden? Neubau, Kauf im Bestand oder eine Modernisierung? Für eine neue Heizung oder ein Dach kann ein kleineres Bauspardarlehen gut passen. Für einen Hauskauf ist es nur ein kleiner Teil.
In welcher Größenordnung? Ohne Kostenkalkulation ist die Bausparsumme eine willkürliche Zahl. 100.000 Euro klingen nach viel und tragen doch nicht einmal ein Fünftel eines Hauskaufs.
Wer diese Fragen nicht beantworten kann, kann auch nicht ausrechnen, ob sich der Vertrag lohnt. Er zahlt Gebühren und verzichtet jahrelang auf Zinsen für ein Darlehen, von dem er nicht weiß, ob und wann er es braucht.
Die richtige Reihenfolge
Am Anfang steht das Vorhaben: was, wo, ungefähr wann. Daraus ergibt sich die Kostenkalkulation. Erst dann wird die Finanzierung als Ganzes geplant, mit Eigenkapital, Bankdarlehen und Rate. Ob ein Bausparbaustein hineingehört, entscheidet sich an dieser Stelle und nicht zehn Jahre vorher.
Bis dahin ist Geld auf dem Tagesgeld oder in einem breit gestreuten Depot meist besser aufgehoben. ETFs und Investmentfonds bieten höhere Ertragschancen, schwanken aber und können Verluste bringen. Ist das Geld eigentlich für das Alter gedacht, lohnt der Blick auf das Altersvorsorgedepot ab 2027.
Wenn der Vertrag schon läuft
Die Abschlussgebühr ist bezahlt und kommt nicht zurück, auch nicht anteilig. Für die weitere Entscheidung spielt sie deshalb keine Rolle mehr. Es zählt nur, was der Vertrag ab heute noch bringt und kostet.
Je nach Tarif lässt sich die Sparrate senken, die Bausparsumme herabsetzen oder der Vertrag kündigen. Das Guthaben wird dann mit einigen Monaten Vorlauf ausgezahlt. Ob eine Förderung wie Wohnungsbauprämie oder Wohn-Riester geflossen ist, gehört vorher auf den Tisch.
Ihren Bausparvertrag gemeinsam prüfen
Zu den Orten, in denen wir Kunden betreuen, gehört auch Freystadt. Gemeinsam klären wir zuerst, was Sie vorhaben, und rechnen dann aus, ob Ihr Bausparvertrag dazu passt.
Sie wohnen in Freystadt und möchten Ihren Bausparvertrag mit uns besprechen? Wir empfangen Sie in unserem Büro in Postbauer-Heng oder kommen nach Vereinbarung zu Ihnen. Auch ein Videogespräch ist möglich.
May-Finanz · Matthias May — Gesellschafts- & produktunabhängig · seit 2006
Fachlich geprüft von Matthias May · zuletzt aktualisiert am 07.10.2026
Über den Autor: Matthias May ist Inhaber von May-Finanz, gesellschafts- und produktunabhängige Finanzberatung seit 2006 mit Sitz in Postbauer-Heng. Zugelassen als Finanzanlagenvermittler (§ 34f GewO), Versicherungsmakler (§ 34d GewO), Immobiliardarlehensvermittler (§ 34i GewO) und Darlehensvermittler (§ 34c GewO).
Beispielrechnung auf Grundlage eines realen Tarifs: Bausparsumme 100.000 Euro, Abschlussgebühr 1,6 Prozent, Jahresentgelt höchstens 30 Euro, Guthabenzins 0,01 Prozent, Mindestsparguthaben 50 Prozent, Sollzins 0,99 Prozent, Agio 2 Prozent, Zins- und Tilgungsbeitrag 3,5 Promille der Bausparsumme, Sparrate 500 Euro im Monat, frühestmögliche Zuteilung. Den tatsächlichen Zuteilungstermin bestimmt die Bausparkasse. Bankdarlehen: Sollzins 4,02 bis 4,35 Prozent, Zinsbindung 10 Jahre, Stand Oktober 2026. Es gelten Tarif und Allgemeine Bausparbedingungen Ihres Vertrags.
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Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt.