Kaum ein Wort in der Altersvorsorge klingt so beruhigend und wird so selten hinterfragt. Garantie. Wer sie hat, fühlt sich abgesichert. Was sie kostet, steht in keinem Werbeprospekt — und genau darüber ist ab 2027 zu entscheiden.
Was sich mit der Reform ändert
Bei der Riester-Förderung war die Sache vorgegeben: Zum Rentenbeginn mussten mindestens die eingezahlten Beiträge und die Zulagen zur Verfügung stehen. Hundert Prozent, ohne Wahlmöglichkeit. Das Altersvorsorgedepot, das zum 1. Januar 2027 an die Stelle der Riester-Förderung tritt, kennt diese Pflicht nicht mehr. Förderfähig sind auch Produkte ganz ohne Garantie, daneben stehen abgestufte Varianten.
Damit wird aus einer Vorgabe eine Entscheidung. Und Entscheidungen brauchen einen Maßstab.
Der Preis einer Zusage
Eine Garantie entsteht nicht durch eine Formulierung im Vertrag, sondern dadurch, dass ein Teil des Geldes so angelegt wird, dass er sicher zur Verfügung steht. Je höher die zugesagte Quote, desto größer der Anteil, der eben nicht in Aktien investiert werden kann — und desto kleiner der Teil, der an der Wertentwicklung der Märkte teilnimmt.
Bei kurzer Restlaufzeit wird das besonders teuer. Wer mit 57 einsteigt und zehn Jahre Zeit hat, bindet für eine hundertprozentige Zusage einen erheblichen Teil der Einzahlung. Wer mit 30 startet, hat fast vier Jahrzehnte, in denen sich Schwankungen ausgleichen können. Dieselbe Garantiestufe bedeutet in beiden Fällen etwas völlig anderes.
Der zweite Punkt wird noch häufiger übersehen: Eine Beitragsgarantie garantiert Nominalbeträge, keine Kaufkraft. Wer über 35 Jahre einzahlt und am Ende genau seine Einzahlungen zurückbekommt, hat real deutlich verloren. Eine Zusage auf den eingezahlten Euro ist keine Zusage auf das, was dieser Euro dann noch wert ist.
Wann welche Stufe passt
Ohne Garantie ergibt Sinn, wenn die Anlagedauer lang ist und Sie Schwankungen aushalten, ohne den Vertrag anzurühren. Der volle Betrag arbeitet über die gesamte Laufzeit.
Achtzig Prozent ist der Mittelweg für alle, die eine Untergrenze brauchen, um ruhig zu schlafen, aber auf Wachstum nicht verzichten wollen. Der abgesicherte Anteil ist deutlich kleiner als bei der vollen Zusage, die Wirkung auf das Bauchgefühl ist fast dieselbe.
Hundert Prozent bleibt sinnvoll bei kurzer Restlaufzeit oder wenn die geförderte Vorsorge der einzige nennenswerte Baustein ist und daneben kein Depot, keine Immobilie und keine betriebliche Zusage steht.
Ein Punkt aus der Praxis
Was in Gesprächen in Neumarkt i.d.Opf. immer wieder auffällt: Menschen unterschätzen, wie stark die Garantie ihre eigene Erwartung an das Ergebnis prägt. Wer eine volle Zusage hat, rechnet trotzdem mit einer ordentlichen Wertentwicklung — beides zusammen geht rechnerisch aber nur begrenzt.
Und es gibt den umgekehrten Fall. Manche entscheiden sich für die volle Garantie und schichten fünf Jahre später doch um, weil ihnen das Ergebnis zu mager erscheint. Genau das ist der teuerste aller Wege: erst den Preis der Absicherung zahlen und dann den Vorteil nicht abwarten. Eine Aufteilung, die nicht durchgehalten wird, ist wertlos — deshalb frage ich lieber einmal zu oft, wie jemand auf einen Rückgang von 25 Prozent reagieren würde.
Was die Förderung dazu beiträgt
Unabhängig von der Garantiestufe bleibt die Förderung gleich: bis zu 540 Euro Grundzulage im Jahr, 300 Euro je Kind, dazu ein einmaliger Bonus von 200 Euro bei Abschluss vor dem 25. Geburtstag. Der geförderte Höchstbeitrag liegt bei 1.800 Euro jährlich, der Mindesteigenbeitrag bei 120 Euro. Diese Zulagen wirken in jeder Variante — sie sind der Teil der Rechnung, der nicht von den Märkten abhängt.
Die genannten Beträge sind Beispielrechnungen. Wie hoch die Förderung in Ihrem Fall ausfällt, hängt von Einkommen, Kinderzahl und persönlichen Verhältnissen ab.
Die Einzelheiten zur Reform stehen unter Altersvorsorgedepot 2027, der Überblick über die Vorsorgebausteine unter Altersvorsorge. Bis zum Start können sich Einzelheiten noch ändern.
Die Frage vor der Frage
Bevor über Garantiestufen gesprochen wird, gehört geklärt, wie viel Sie überhaupt brauchen und was schon da ist. Erst dann lässt sich sagen, welche Rolle dieser eine Baustein spielen soll. Gespräch vereinbaren
May-Finanz · Matthias May — Gesellschafts- & produktunabhängig · seit 2006
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt.